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Sherif Rizkallah mit der Kinderjury auf der Bühne bei der Kindernothilfe-Medienpreisverleihung 2025 (Quelle: Reto Klar)

Ein Perspektivwechsel: Kinderarbeit aus der Sicht der Betroffenen

Über den Filmbeitrag für junge Zuschauende

Sherif Rizkallah gewann den "Preis der Kinderjury" beim Kindernothilfe-Medienpreis 2025 mit seinem Beitrag "logo! extra: Wenn Kinder arbeiten". Im Interview spricht er über die Herausforderungen bei der Entstehung des Films, darüber, wie der Perspektivwechsel seine Sicht auf Kinderarbeit verändert hat – und über die unerwarteten Reaktionen nach der Veröffentlichung.

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Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie während der Recherche und Produktion gemacht? Vor welchen Herausforderungen standen Sie?

Als ich mich in das Thema "Kinderarbeit" eingelesen und mit der Recherche begonnen habe, war ich sehr überrascht, als ich gesehen habe, dass in Bolivien Kinder nicht gegen Kinderarbeit kämpfen, sondern sich aktiv dafür einsetzen, arbeiten zu dürfen. Diese Haltung kannte ich so vorher nicht, und sie hat meine eigene Sicht auf das Thema stark herausgefordert. Genau das hat mich aber auch besonders gereizt: diese Perspektive sichtbar zu machen, weil sie so weit entfernt ist von unserer Realität und unserem Verständnis hier in Deutschland. Die größte Herausforderung bestand letztlich darin, offen zu bleiben, genau zuzuhören und diese andere Lebenswelt ernst zu nehmen, ohne sie vorschnell mit unseren Maßstäben zu bewerten.
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In der Reportage wird deutlich, dass ein Verbot von Kinderarbeit die Situation vieler Familien sogar verschlimmern könnte und dass Kinder und Jugendliche für ihre Rechte kämpfen.

Wie hat dieser Perspektivwechsel Sie persönlich beeinflusst?

Dieser Perspektivwechsel hat mir noch einmal sehr deutlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, Themen konsequent aus der Sicht der Betroffenen zu betrachten. Wir hier in Deutschland haben eine klare Haltung zu Kinderarbeit - und ich persönlich glaube auch fest daran, dass kein Kind auf der Welt arbeiten sollte. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass diese Sichtweise nicht überall geteilt wird und dass Lebensrealitäten sehr unterschiedlich sein können. Genau diese Spannung auszuhalten und ernst zu nehmen, ohne sie vorschnell aufzulösen, hat mich nachhaltig geprägt.
 
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Kevin, ein 14-jähriger Junge aus Bolivien arbeitet in einer Mine. Er trägt staubige Kleidung und einen Bergbauhelm mit einer Lampe.
Bildausschnitt aus der logo!-Reportage: Kevin, ein 14-jähriger Junge arbeitet in einer Mine (Quelle: ZDF)
Kevin, ein 14-jähriger Junge aus Bolivien arbeitet in einer Mine. Er trägt staubige Kleidung und einen Bergbauhelm mit einer Lampe.
Bildausschnitt aus der logo!-Reportage: Kevin, ein 14-jähriger Junge arbeitet in einer Mine (Quelle: ZDF)

Gab es weitere Situationen, die Ihnen einen ganz neuen Blick auf den Alltag der Kinder gegeben haben?

Ja, besonders der Alltag von Kevin, dem Jungen, den ich begleitet habe, hat mir einen neuen Blick eröffnet. Sein Tagesablauf war unglaublich dicht: Er stand jeden Morgen um sechs Uhr auf, ging zur Schule und machte sich nach einem kurzen Mittagessen auf den Weg in die Mine, um zu arbeiten. Erst gegen 20 Uhr kam er nach Hause. Dann folgten noch Essen, Hausaufgaben und Lernen. Dieses Pensum vor Augen zu haben, hat mir sehr deutlich gezeigt, wie grundlegend anders der Alltag von Kindern aussehen kann - und wie viel Verantwortung sie schon viel zu früh tragen müssen.
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Welche Reaktionen und Rückmeldungen haben Sie von Kindern und Erwachsenen zu der Reportage bekommen?

Ich war tatsächlich ziemlich überrascht, weil die Rückmeldungen durchweg positiv waren - von Kindern genauso wie von Erwachsenen. Ehrlich gesagt hatte ich auch nicht damit gerechnet, mit dieser Reportage einen Preis zu gewinnen. Mein Zugang zu dem Thema Kinderarbeit war ja ein eher ungewöhnlicher: Ich wollte keine einfache Schwarz-Weiß-Antwort liefern oder nur sagen "Kinderarbeit ist böse", sondern eine Perspektive zeigen, die genauer hinschaut und Widersprüche zulässt. Umso schöner war es zu merken, dass genau das viele Menschen angesprochen und zum Nachdenken gebracht hat.
 
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