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Ein kleines Mädchen aus einem Projekt im Libanon (Quelle: Just Childhood)
3 Fragen zur Situation im Libanon
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Vertreibung, Erschöpfung – und eine Krise ohne Pause

Die humanitäre Lage im Libanon spitzt sich weiter zu. Familien sind wiederholt auf der Flucht, Kinder leiden unter anhaltender Gewalt und Bildungsunterbrechungen. Während die Not wächst, stoßen Hilfsorganisationen zunehmend an ihre Grenzen – auch wegen massiver Finanzierungslücken. Aglaia d'Aligny, unsere Projektberaterin im Libanon, erläutert die Hintergründe.
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Portraitfoto: Aglaia d' Aligny, Kindernothilfe-Beraterin für den Libanon (Quelle: Aglaia d' Aligny)
Aglaia d'Aligny, Projektberaterin im Libanon (Quelle: Aglaia d'Aligny)
Portraitfoto: Aglaia d' Aligny, Kindernothilfe-Beraterin für den Libanon (Quelle: Aglaia d' Aligny)
Aglaia d'Aligny, Projektberaterin im Libanon (Quelle: Aglaia d'Aligny)

Wie ist die aktuelle humanitäre Situation, besonders bezogen auf Familien mit Kindern?

Die Lage im Libanon ist äußerst fragil und bleibt unberechenbar. Unsere Partner vor Ort berichten vor allem von einer tiefen Erschöpfung der Menschen. Viele Familien sind nicht zum ersten Mal auf der Flucht: Bereits 2024 mussten sie ihre Häuser verlassen, versuchten anschließend zurückzukehren und sich ein neues Leben aufzubauen – und stehen nun erneut vor dem Nichts. Diese wiederholte Vertreibung zermürbt. Die Kraft, noch einmal von vorne zu beginnen, schwindet, und die wachsende Hoffnungslosigkeit ist schwer in Worte zu fassen.

Bei Kindern zeigt sich das besonders deutlich. Sie sind traumatisiert – nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch Jahre der Gewalt und Unsicherheit. Unsere Partner berichten von Kindern, die kaum schlafen, bei jedem lauten Geräusch zusammenzucken und sich nur schwer konzentrieren können. Gleichzeitig sind die Notunterkünfte – häufig Schulen – so überfüllt, dass an einen geregelten Alltag oder Unterricht kaum zu denken ist. Es ist bereits das siebte Jahr in Folge, in dem Kinder im Libanon massive Bildungsunterbrechungen erleben. Die Auswirkungen werden weit über die aktuelle Krise hinaus spürbar sein.

Dazu kommen massive Finanzierungslücken. Außerdem sind diesmal auch unsere Partner direkt betroffen. Sie leisten unter extremen Bedingungen Außergewöhnliches, doch die vorhandenen Mittel reichen bei Weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Das wird in jedem Gespräch deutlich.

Wie sehr sind Kindernothilfe-Projekte betroffen?

Unsere Partner stehen unter einem doppelten Druck: Der Hilfsbedarf ist massiv gestiegen, während gleichzeitig viele Mitarbeitende selbst unter der Krise leiden. Viele mussten ihre Häuser verlassen und wurden innerhalb des Landes vertrieben. Das bedeutet, dass diejenigen, die helfen, oft selbst Unterstützung benötigen – eine Situation, die in Gesprächen immer wieder geschildert wird und sehr bewegt.

Besonders betroffen sind Projekte in den von Israel angegriffenen Gebieten – im Süden, in Baalbek und in den südlichen Vororten von Beirut. In anderen Regionen können Aktivitäten teilweise fortgeführt werden, wenn auch eingeschränkt. Wo es möglich ist, laufen Kindergärten und Schulbegleitung weiter – mit den Kindern und dem Personal, das noch vor Ort ist. Zu geflüchteten Kindern versuchen die Partner Kontakt zu halten, etwa durch Online-Angebote, um zumindest ein Mindestmaß an Kontinuität zu sichern.

Gemeinsam mit unseren Partnern konzentrieren wir uns derzeit darauf, laufende Projekte an die akute Situation anzupassen und zusätzliche Nothilfemaßnahmen auf den Weg zu bringen. Bedarfsanalysen laufen, neue Anträge werden gestellt. Ebenso wichtig ist uns, dass psychosoziale Unterstützung und Bildung auch in der Nothilfe nicht in den Hintergrund treten – denn gerade diese Bereiche sind für Kinder langfristig entscheidend.


Welche Hilfe wird jetzt am dringendsten benötigt?

Es fehlt vor allem an der grundlegenden Versorgung mit Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln, Decken und Matratzen. Für Säuglinge und Kleinkinder ist die Lage besonders kritisch. Gleichzeitig betonen unsere Partner immer wieder, dass neben der materiellen Hilfe auch psychosoziale Unterstützung für Kinder und ihre Bezugspersonen dringend notwendig ist. Beides gehört untrennbar zusammen – und gerade dieser Bereich kommt in der humanitären Soforthilfe häufig zu kurz, obwohl unsere Partner hier über besondere Expertise verfügen.

Darüber hinaus ist direkte Bargeldhilfe von großer Bedeutung. Sie ermöglicht es Familien, ihre dringendsten Bedürfnisse selbstbestimmt zu decken, und bewahrt ein Stück Würde in einer extrem belastenden Situation.

Besonders besorgniserregend ist, dass viele internationale Hilfsprogramme nur bis April 2026 gesichert sind. Die Finanzierungslücken sind erheblich – und das in einer Lage, die sich voraussichtlich weiter verschlechtern wird. Was jetzt gebraucht wird, ist schnelle, flexible und unbürokratische Unterstützung, damit Hilfe rechtzeitig dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird.
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Straße im Camp 042 (Quelle: Kindernothilfe)

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