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Ein Kind sitzt mit dem Rücken zur Kamera auf einem Stein und telefoniert (Quelle: Christian Nusch)
Simbabwe
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Einen Anruf entfernt gibt es Hilfe

Text: Katharina Nickoleit, Bilder: Christian Nusch

Seit bald 30 Jahren hat der Kindernothilfe-Partner Childline ein offenes Ohr für alle Sorgen und Nöte von Kindern. Was als Telefonseelsorge begann, ist heute eine der bedeutendsten Kinderrechtsorganisationen Simbabwes.

Der Stuhl, auf dem Precious Mazarura schon seit einigen Stunden sitzt, hat bereits bessere Tage gesehen und ist nicht gerade bequem. Doch das hält die 23-Jährige nicht davon ab, einen Anruf nach dem anderen entgegenzunehmen und geduldig zuzuhören. Gerade hat sie über einen Fall von Kinderarbeit gesprochen. Im Callcenter von Childline ist das Alltag.

Jedes Jahr gehen über eine Million Anrufe bei Childline ein. Die meisten kommen von Kindern im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren. „Die Anfragen reichen von ‚Sing mir Happy Birthday vor‘ über ‚Sind Impfungen sicher‘ bis hin zu ‚Hilf mir bei den Haus-aufgaben‘“, zählt Rati Moyo vom Kindernothilfe-Partner Childline auf. „Wir helfen dann. Und fragen: ‚Hast du sonst niemanden, mit dem du sprechen kannst?‘ Wenn wir das Gefühl haben, dass da ein Kind vernachlässigt wird, verfolgen wird das.“

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Eine Hotline-Mitarbeiterin sitzt an Ihrem PC und schaut in die Kamera
Precious Mazarura arbeitet beim Kindernothilfe-Partner Childline und hilft Kindern in Not (Quelle: Christian Nusch)
Eine Hotline-Mitarbeiterin sitzt an Ihrem PC und schaut in die Kamera
Precious Mazarura arbeitet beim Kindernothilfe-Partner Childline und hilft Kindern in Not (Quelle: Christian Nusch)

"Dann gehen bei uns die Alarmglocken an"

Oft rufen Kinder mehrfach an und sprechen dann nur über Banalitäten. „Dann gehen bei uns die Alarmglocken an, denn das sind meistens die schweren Fälle, bei denen die Kinder erst testen, ob sie uns wirklich vertrauen können.“ Die Direktorin von Childline ist eine fröhliche Frau mit einem warmen Lachen. Doch sie wird ernst, wenn sie ihre Statistik aufruft. 2025 schickte Rati Moyo in mehr als 2390 Fällen ihre Mitarbeitenden zu Hausbesuchen aus. Sexualisierter Missbrauch machte gut ein Drittel der Einsätze aus, gefolgt von den Delikten Misshandlung, emotionaler Missbrauch und Vernachlässigung.

Rund um die Uhr erreichbar

Manchmal melden sich auch besorgte Nachbarn. Einen solchen Fall hatte Precious gleich in ihrer ersten Woche. Ein dreijähriges Mädchen, das misshandelt wurde. „Wir konnten dafür sorgen, dass die Kleine in Obhut genommen wurde. Ich bin sehr froh, dass ich helfen konnte!“ Childline legt großen Wert darauf, dass die insgesamt 60 in Schichten arbeitenden Ehrenamtlichen erfahren, was aus den Kindern wurde, mit denen sie gesprochen haben. Sie sollen nicht im Ungewissen bleiben. Außerdem gibt es psychologische Beratung für die Helfenden. Viele von ihnen studieren so wie Precious Soziale Arbeit – sie will nicht nur helfen, sondern auch Erfahrungen sammeln. Aber es sind ebenso pensionierte Psychologinnen und Psychologen sowie Lehrkräfte dabei. Seit 1997 nehmen die Ehrenamtlichen von Childline nachdem Vorbild der Sorgentelefone in Europa unter der Rufnummer 116 Anrufe entgegen. Daraus wurde ein rund um die Uhr mit bis zu acht Telefonen besetztes Callcenter. Daneben gibt es einen WhatsApp-Chat und für Gehörlose Videochats mit Gebärdensprache.

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"Du weißt nie, was der nächste Anruf bringt"

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Mitarbeiterin des Kindernothilfe-Partners Childline (Quelle: Christian Nusch)
Die Direktorin von Childline, Rati Moyo, schickte im Jahr 2025 in mehr als 2390 Fällen ihre Mitarbeitenden zu Hausbesuchen aus (Quelle: Christian Nusch)
Mitarbeiterin des Kindernothilfe-Partners Childline (Quelle: Christian Nusch)
Die Direktorin von Childline, Rati Moyo, schickte im Jahr 2025 in mehr als 2390 Fällen ihre Mitarbeitenden zu Hausbesuchen aus (Quelle: Christian Nusch)

Die Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen sind auch ein Seismograph dafür, wo in Simbabwe was im Argen liegt. „Wir können die Anrufe lokalisieren und sehen dann beispielsweise, dass es in einer bestimmten Gegend aus einer gewissen Altersstufe viele Beschwerden zu Gewalt in Schulen oder zu sexuellen Belästigungen in der Öffentlichkeit gibt. Das nehmen wir dann zum Anlass, in diesen Regionen Projekte ins Leben zu rufen, die sich gezielt mit dem vorherrschenden Problem befassen.“ Weil viele Kinder fragen, ob sie vorbeikommen können, um persönlich mit jemandem zu sprechen, entstanden außerdem fünf Drop-in-Zentren.

Im Laufe der Jahre wurde Childline so zu einer der größten und wichtigsten Kinderrechtsorganisationen Simbabwes, die mit ihren Angeboten immer auf die Anliegen der Kinder eingeht. Besonders wichtige aktuelle Themen sind mentale Gesundheit und der Schutz von Kindern im Netz – insbesondere im Zusammenhang mit Social Media – sowie zunehmender Alkohol- und Drogenkonsum. Rati hat bereits öffentlich Alarm geschlagen und überlegt gemeinsam mit Regierungsvertreterinnen und Regierungsvertretern, wie man dieses Thema angehen könnte.

Obwohl die Direktorin viel zu tun hat, übernimmt sie manchmal eine Schicht im Callcenter. „Es ist gut, mit denjenigen direkt in Kontakt zu sein, für die wir hier arbeiten. Dicht dran zu sein, ihre Sorgen zu hören. Dann weiß ich wieder, warum ich das mache.“ Precious entschuldigt sich. Es ist Schulschluss, die Telefone fangen an zu klingeln. „Du weißt nie, was der nächste Anruf bringt“, meint sie. Sie atmet einmal tief ein und sagt mit einem Lächeln in der Stimme „Hallo, hier ist Childline. Danke, dass du anrufst. Wie kann ich dir helfen?“


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Mehr Informationen zum Projekt

Ein Kind sitzt mit dem Rücken zur Kamera auf einem Stein und telefoniert (Quelle: Christian Nusch)

Simbabwe: Telefonseelsorge für Kinder

Childline in Simbabwe bietet Kindern in Not rund um die Uhr Gehör. Über Telefon und Chat finden sie Hilfe bei Sorgen oder Misshandlung.

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