Ehrenamtliche organisieren Pfandaktion für Kinder in Not
Text und Bilder: Friederike Bach
Schon zum dritten Mal sammelten Ehrenamtliche des Fördervereins Siegerland auf dem "Freak Valley"-Festival in Netphen-Deuz Pfandflaschen und Becher. Bei der Spendenaktion kommt nicht nur viel Geld für Projekte der Kindernothilfe zusammen - es ist auch eine tolle Gemeinschaft zwischen den Ehrenamtlichen und dem Festival-Publikum entstanden.
Eigentlich ist die Gegend rund um Netphen-Deuz eher ruhig. Aber einmal im Jahr ist alles anders. Dann wummern plötzlich Bässe durch den Wald und große Gruppen von Menschen in Gummistiefeln, Lederjacken und Band-Shirts sind unterwegs - denn einmal im Jahr findet in Netphen-Deuz das "Freak Valley"-Festival statt. Drei Tage lang spielen dann Rockbands aus aller Welt auf zwei Bühnen vor etwa 3000 Fans.
Auch Jutta Klappstein (70) und Gerhard Neumann sind in diesem Jahr wieder dabei. Auf den ersten Blick passen die zwei so gar nicht zum Publikum des Festivals. Und streng genommen sind sie auch nicht zum Musik hören hier, sondern für einen guten Zweck. Jutta und Gerhard engagieren sich ehrenamtlich für den Förderverein Siegerland der Kindernothilfe.
Freak Valley: Pfand sammeln statt Waffeln backen
Normalerweise bedeutet das: Waffeln backen vor Supermärkten oder kleine Benefizkonzerte in der örtlichen Kirchengemeinde organisieren. Tolle Aktionen, mit denen der Förderverein Siegerland jedes Jahr sehr erfolgreich Spenden für die Kindernothilfe sammelt - aber eben ganz anders als das "Freak Valley"-Festival.


Trotzdem haben Jutta, Gerhard und 15 weitere Ehrenamtliche hier dieses Jahr bereits zum dritten Mal ihre wohl außergewöhnlichste Spendenaktion auf die Beine gestellt: Sie sammeln leere Flaschen und Becher ein und spenden das Pfand an die Kindernothilfe. Der Arbeitseinsatz der Ehrenamtlichen ist dabei beachtlich - aber er lohnt! Fast 4000 Euro für Kinder in Not sind 2025 zusammengekommen. Dieses Jahr, das haben sich Jutta, Gerhard und die anderen vorgenommen, wollen sie die 5000 Euro-Marke knacken!
Viel Lob für die Ehrenamtlichen der Kindernothilfe
"Früher wäre ich nicht auf die Idee gekommen, zu einem Festival zu gehen", sagt Jutta. "Aber jetzt bin ich schon zum dritten Mal dabei und bin total begeistert! Die Leute sind so nett! Wir Ehrenamtlichen fühlen uns immer sofort willkommen und bekommen viel Lob für unsere Aktion."
Gerhard war vor einigen Jahren zwar schon einmal als Fan beim "Freak Valley"-Festival und wusste deshalb, welch familiäre und offene Atmosphäre ihn dort erwartet. Aber, so berichtet er, bei einigen Mitgliedern des Fördervereins habe es zu Beginn der Aktion schon Vorbehalte gegeben.
"Viele haben gezögert und gefragt, was denn da so für Leute hinkommen. Denn viele von denen sehen ja abenteuerlich aus." Nach dem ersten Jahr der Spendenaktion seien alle Bedenken jedoch schnell vergessen gewesen. "Inzwischen kennen wir die Leute ja schon und die sind alle so gut drauf, das ist richtig schön", berichtet Gerhard. Das kann auch Jutta bestätigen: "Was mich wirklich beeindruckt, sind die Lockerheit und Freundlichkeit der Leute. Beim "Freak Valley"-Festival ist jeder sofort willkommen!"
Freak Valley-Fans spenden fast 5000 Euro
Dass das auch für die Ehrenamtlichen der Kindernothilfe gilt, bestätigt das Festival-Publikum auch dieses Jahr wieder. Die Musikfans bringen ihre leeren Pfandflaschen inzwischen ganz selbstverständlich direkt zum Stand der Kindernothilfe und werfen leere Becher in die bereitgestellten Tonnen.


Nicht wenige begrüßen die Ehrenamtlichen am Stand wie alte Bekannte: "Wie schön, dass ihr auch wieder hier seid!", hört man oft. Ebenso wie: "Danke für euren Einsatz!" Viele spenden nicht nur Pfand, sondern auch Geld - zum Teil mit Hilfe von eigenen kreativen Aktionen. So tauchen zum Ende des Festivals vier Musikfans am Stand der Kindernothilfe auf und berichten: "Wir haben auf dem Campingplatz Hände waschen für 10 Cent angeboten." Die so erwirtschafteten 6 Euro möchten sie nun spenden - und legen selbst noch 50 Euro drauf.
"Hier ist etwas ganz Tolles entstanden!"
Jutta und Gerhard sind begeistert. "Hier ist einfach etwas ganz Tolles entstanden", freut sich Gerhard und er könnte sich durchaus vorstellen, dass andere Ehrenamtliche der Kindernothilfe ähnliche Aktionen organisieren: "Ich denke, das ist eine Geschichte, die weitergetragen werden sollte!"
Die 5000 Euro-Marke haben die Ehrenamtlichen dieses Jahr übrigens nicht ganz geknackt. Aber: Es kamen über 1000 Euro mehr als im Vorjahr zusammen! Mehr als 4800 Euro hat das "Freak Valley"-Publikum für Kinder mit einer Behinderung in Kenia gespendet.
Mindestens genauso wichtig wie dieser Erfolg ist den Ehrenamtlichen aber die außergewöhnliche Gemeinschaft, die jedes Jahr in Netphen-Deuz entsteht. Und so freuen sich alle jetzt schon auf das nächste Jahr, wenn wieder Bässe durch den Wald wummern und die "Freak Valley"-Fans zurück sind.
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Friederike Bach



