Über die Autorin

Katrin Weidemann
ist seit 2014 CEO der Kindernothilfe. Mit ihren Reportagen und Blog-Beiträgen gibt sie persönliche Einblicke in ihre Arbeit.


Manche der Kinder, die sich auf den Müllhalden von Delhi als Müllsammler durchs Leben schlagen, sind gerade mal fünf Jahre alt. Als wäre das noch nicht genug, haben sich etliche bei ihrer gefährlichen Arbeit auch noch mit HIV/Aids infiziert. Unsere Partnerorganisation Deepti Foundation hilft ihnen, aus dem Kreislauf aus Armut, Hunger und Krankheit auszubrechen.
Letzte Woche habe ich von den Kinderschutzzentren berichtet, in denen Delhis Müllsammler eine Zuflucht finden – samt Waschgelegenheiten, regelmäßigen Mahlzeiten und Unterricht in Förderklassen. Vor vier Jahren wurde das Programm um eine entscheidende Komponente erweitert. „Es begann mit einem kleinen Jungen“, erinnert sich Father Thomas von unserer Partnerorganisation Deepti. „Er kam eines Tages in das Kinderzentrum, und zeigte uns seine Beine. Sie waren von oben bis unten mit schweren Schnittwunden übersät.“ Die stammten, erzählte der Bub als sei das etwas ganz Normales, von seiner Arbeit auf der Müllhalde. Dort hatte sich der neunjährige Müllsammler auf das Auflesen von Glasscherben spezialisiert. Und sich beim Waten durch die Müllberge nicht nur die tiefen Schnitte zugezogen. Sondern auch mit HIV/Aids infiziert!
Der Junge blieb kein Einzelfall. Unsere Partnerorganisation Deepti Foundation betreut momentan vierzig mit HIV/Aids infizierte Mädchen und zwanzig Jungen. Viele der betroffenen Müllsammler sind Waisen, die Krankheit hat ihnen ihre Eltern genommen. Manche haben sich bei der Arbeit auf der Müllkippe an Metall- oder Plastikresten geschnitten und so die gefährliche Infektion zugezogen. Bei anderen sind Missbrauch und Gewalt durch Erwachsene die Übertragungsursache.







